Verbranntes Wissen

Eine von uns...

 

Viele von uns stehen im Kreis, in einem großen Kreis – am Abend, in der Nacht, am Waldrand.
Uralte Bäume säumen den Waldrand.
Wir stehen an der Lichtung. Es ist ruhig.
Am höchsten Baum hängt eine von uns… an den Füßen aufgehängt. Brennend!

Ihr Wissen wird verbrannt.
Rauchpartikel fliegen durch die Luft.
Ölfetzen. Hautfetzen. Wissensfetzen.
Es fetzt, es knallt, es knistert, es raucht.

Diese Stille.
Voller Anmut, voller Stolz.
… voller Ahnung, dass wir wissen, dass Wissen nicht verbrannt werden kann.
Ich schaue diesen Fetzen hinterher. Einer legt sich auf meinen linken Arm.
Ich schau` drauf und sehe ein Zeichen.
Eine Sprache, ein Zeichen…. es schreibt sich in meine Haut. Von rechts nach links…
Ein Kreis, eine Welle, zwei Bögen.
Ich merke es mir.
Ich male es auf, denn ich bin auf einer schamanischen Reise.
Ich darf es nicht vergessen, ich darf es nicht vergessen…
Zack, bin ich wieder im Kreis.

Wir stehen da voller Stolz. Wir sind nicht traurig, weil wir wissen, dass man nichts verbrennen kann, nichts.
Wir halten den Kreis.
Und stehen bis zum Morgen. … bis nichts mehr da ist von ihr und alles auf uns liegt.

Der Wind hat es weiter getragen – über die Bäume, über die Wälder, über die Felder.
Es ist ruhig.
Haben vielleicht sogar die Vögel die Fetzen weiter getragen?

Ich lade dich ein zu einem Ritual.
Mach ein Feuer, ruf deine Helfer, begrüße die Himmelsrichtungen.
Nimm dir Zeit.
Nimm ein paar Haare, zünde sie an und rieche daran.
Geh auf die Reise.
Geh auf die Schwelle.
Was schicken dir deine Ahnen für Informationen, für Wissen?
Verbranntes Wissen…
Es gibt…
Wissen lässt sich nicht…
Wir wissen…
Man weiß…, dass man Wissen nicht verbrennen kann.
Hejhoo

Text und Bilder: Annette Roemer

Verbranntes Wissen ... zum anhören

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Iri käufer

    so schön deine Stimme zu hören, liebe Fründin.

    1. Annette

      Danke vielmool liabi Iri.
      Würde es dir gefallen, wenn es mehr gesprochene Beiträge gäbe?

  2. Christine Kostritza

    Du WissensFährtenLeserin,
    Die Linien auf deiner Hand sind wie ein Code für mich. Ich zeichnen sie für mich, nicht gleich, erst viele Tage später. Ein Tier, ein Auge, Flügel … schon öffnet sich Türe zu dem nicht verbrannten Wissen und deine Stimme, dein Text nimmt mich mit auf die Reise.
    Das Hinschauen ist eine grosse Herausforderung und das Gute daran ist, dass wir das Ganzwerden gemeinsam weben. Danke dir – Christine K.

    1. Annette

      Ja Christine… um bald gemeinsam am Feuer zu sitzen und den Ahninnen und Wissenshüterinnen zu Danken. Ein Lied ins Feuer singen

  3. Elisabeth

    Liebe Annette
    Ich kann mich gut an Deine Reise erinnern und wie sie mich damals von den Socken gehauen hat.
    Jetzt Deinen Text zu lesen ist Heilung. Heilung für mich, ja, aber auch Stoff für eine viel grössere Heilung die im Gange ist.
    Ich empfinde Walpurgis dieses Jahr als besonders intensiv und herausfordernd, alles wird an die Grenze getrieben und darüber hinaus. Aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass auch eine Art Heilung geschieht. Die Hexen tanzen wieder freier, und sie sammeln das Wissen auf und spinnen es neu, so wie Du es mit den Spinnerinnen tust. Es ist wahr: nix geht verloren im Universum

    1. Annette

      Lovley Eli-Spinne… auf dass wir noch viel Wissen von den Ahnen bekommen