Wie abgetreten die Wege. Das alte Laub liegt drauf und es geht ihr müde. Einen Moment denkt sie noch an ihre Pfadfinderzeit, aber der Gedanke verschüttet sich, kaum ausgedacht.
Wie sie dann so dasitzt und merkt, dass ihre Füße schwer sind und wie sich dann diese Schwere ihre Beine hinaufschleicht, über ihre Hüften, ihren Bauch, über ihre Brust sich ihrer Arme bemächtigt, ihrer Hände. Wie ihr Kopf gedankenlos und müde erscheint, so ist sie die Alte, die sich in ihrem Winter eingerichtet hat, ihre Augen schwerfällig ruhend und müde schweigt ihr Mund.
Ist es, als wollte sie sterben.
Aber:
Wie sich dann ganz zart ein kleines Klopfen aus ihrem Herzen meldet und sie nicht umhinkommt, dies nicht zu überhören, blinzeln ihre Lider, ruckeln ihre Schultern, strafft sich ihr Rücken und tief unten in ihrem Bauchraum beginnt es sich zu erinnern.
Und kleine feine Haarwurzeln finden ihren Weg durch fahles Laub, hin zu ihrem uralten Plan, hin zu ihren Ahnen, hin zu ihrem Ins-Leben-Gehen-Wollen.
Und sie spürt, wie sie sich gerufen fühlt, sich ihre Zeit zu nehmen ihr Hemd zu wechseln.
Und wie es von irgendwoher sagt: „Zeit ist die Zeit, die sein muss, um zu dem zu werden, was die Zeit braucht.“
So wie die Alte hier, so wie du und so, wie sowieso alles von Zeit zu Zeit ihr Natternhemd abstreift und reift.
„Hey du, es ist soweit, komm raus, die Sonne ruft, komm raus, es geht los und wir brauchen dich.“
Autorin und Kunststück: Christiane Holsten
