Was können Hexen?

Eine kleine Einführung in die Magie anhand von Beispielen

Was können Hexen - Thea Unteregger - Spinnerinnen

 

Weissagen

Die Willeweis ist eine Seherin. Von ihr wird berichtet, dass sie auf dem Birchboden bei Lengstein (Ritten/Südtriol) saß und in einem alten Buch las. Wer einen Rat brauchte konnte sie rufen: „Die Wile tut die Wele begraben.“
Dann kam sie und wer freundlich zu ihr war, erhielt weisen Rat.

Die Wissenschaft beansprucht für sich, die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung zu untersuchen – die Magie gestaltet diese Verbindung. Das geschieht ganz gewohnt im Alltag und meist in negativer Richtung. Zum Beispiel: Wenn ich nicht bald abnehme, dann wird mich niemand mehr lieben! Oder: Wenn diese Bewerbung nicht gut geht, dann bedeutet es, dass ich es einfach nicht kann! So sieht die sogenannte Schwarze Magie aus, der wir uns täglich aussetzen.

Eine kleine Übung in Weißer Magie gefällig?

Schreibe einen „wenn-Satz“ und einen „dann-Satz“ auf und verbinde die beiden absichtsvoll und konzentriert mit einem Beistrich. Sorge dafür, dass die Ursache und die Wirkung, die du verknüpfst, absurd, möglich, positiv und heiter ist. Experimentiere. Nimm es leicht.

Zum Beispiel:
„Jedes Mal, wenn ich mich am Kopf kratze, dann schließen zwei Menschen in der Welt Frieden miteinander.“
„Wenn ich einen Regenbogen sehe, dann löst sich eine meiner Ängste auf.“
„Wenn ich die Frau an der Kassa anlächle und sie lächelt, zurück, dann geschieht heute etwas besonders Schönes.“

Segnen

Eine Sage aus den Dolomiten erzählt, dass die Saligen auf dem Schlern einen Blumengarten hatten. Dann wurden sie selbst in Blumen verzaubert, die man Schlernhexen nannte. Die Saligen konnten spinnen und weben, heilen und das Wetter beeinflussen.

Es ist an der Zeit, dass wir uns das Segnen zurückholen, es aus religiösen Zusammenhängen lösen und als Qualität in den Alltag bringen. Was bedeutet „segnen“? Vielleicht heißt es Ja zu sagen zu dem, was gerade ist, es anzuerkennen und gut zu heißen. Nicht für alle Zeit, nicht absolut, nur für jetzt gerade. Segnen könnte bedeuten, die Fehler zu sehen, ohne sie ausbügeln zu müssen. Das Potential wahrzunehmen, ohne es entfalten zu müssen. Ein liebevoller und mütterlicher Blick auf die Welt.

Es ist ein feststellendes AHA + Liebe.

Dies ist eine Einladung, das Segnen zu üben. Innerlich zu sagen:

„Ich segne das Zuspätkommen der U – Bahn.“
„Ich segne meinen Bauch.“
„Ich segne mein Kind“

Und dann zu beobachten, welche Gefühle sich zeigen, welche Gedanken aufsteigen.
Nicht mehr.
Einfach so.

Danken

Ihren Ursprung hat die Befana wohl in vorrömischen Fruchtbarkeitsriten. Im Christentum wurde sie umgedeutet: Wie die drei Könige war die alte Frau auf der Suche nach dem Christuskind. Doch der Stern war erloschen und es gab nichts, woran sie sich orientieren konnte. So flog sie von Haus zu Haus und beschloss, alle Kinder zu beschenken.

Danken ist ein mächtiges magisches Werkzeug. Es verwandelt emotionale Einöde in fruchtbares Land. Dafür ist es wichtig, die Dankbarkeit aus allen moralischen Verfilzungen zu lösen. Nein, niemand muss dankbar sein, für nix!

Also probiere es aus. Schau dich um und lass die Dankbarkeit für die kleinen Dinge in dir aufsteigen: die warmen Socken an deinen Füßen, alle Finger bewegen zu können, Wasser zum Trinken zu haben, dankbar dafür, dass deine Nägel von selber wachsen, dafür, dass es die Farbe Blau gibt – was auch immer. Spüre genau nach, was sich in dir dabei verändert. Wo fühlt es sich gut an? Wo engt es dich ein, wo ist es lustig?

Verbinden und Unterscheiden

Die Hagazussa ist eine mythische Frauenfigur, die sich an der Grenze zwischen den Welten bewegt. Sie ist die Zaunreiterin und balanciert souverän auf der feinen Linie, an der sich Alltag und Anderswelt, Mythos und Realität berühren.

Näh(e)zauber: Was in deinem Leben scheint unvereinbar? Wähle für jede der Qualitäten, die du zusammenbringen möchtest, ein Stoffstück aus (du kannst es auch zurechtschneiden) und nähe die Teile achtsam und zärtlich aneinander. Vielleicht wird sogar ein Täschchen daraus, das Raum für Neues birgt?

Achtung!
Dieser Zauber kann nur für innere Qualitäten ausgeführt werden und nicht für Personen!

Binden und Lösen

Die Nauna wird in mehreren Vinschgauer Sagen beschrieben. Sie ist eine Glücksmutter und zugleich ist ihre „Wilde Fahrt“, mit der sie im Winter durch die Lande zieht, gefürchtet. Sie bringt den Frauen die Kinderseelen und nimmt mit, was nicht mehr gebraucht wird.

Finde ein Stück Garn, ein Band oder einen Faden. Denke an ein Problem, das du gerade hast, an eine verfahrene Situation. Knüpfe für diese Situation je nach Intensität 1-7 Knöpfe in das Garn.

Bitte die Nauna um Hilfe, um diese Situation aufzulösen. Hänge dieses Stück Garn irgendwo hin, wo du es sehen kannst.

Frage dich immer wieder, ob du bereit bist, dieses Problem und diese Schwierigkeit gehen zu lassen. Wenn du innerlich spürst, dass du diese Situation (zum Teil) loslassen kannst, dann löse einen Knoten und nimm wahr was geschieht.

Figurinnen und Worte: Thea Unteregger

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Christine

    So viel Hexenzauber aus dem Vinschgau und so wunderschöne Hexenfiguren von dir. Leicht und luftig. Toll! Auch wird mir klar wieviel das Denken ausmacht. Was und wie ich denke. Da bringst du frischen Wind rein. Dankeschön 🥰