Hauchzarte Nebelküsse, der kühle Morgen und der doch immer noch knackig warme Tag. Dieses wunderbar magische Dazwischen, in dem sich alles die Waage hält und doch schon spürbar etwas kippt. Licht und Dunkel gleich stark. Noch kein Abschied und doch längst ein Werden.
Eine gute Zeit, um hinzuspüren
Was ist gewachsen, in mir, um mich herum? Was bleibt? Was nährt mich noch? Was darf gehen? Und welche Kostbarkeit trage ich vielleicht schon viel zu lange mit mir herum, obwohl sie bei jemand anderem viel besser aufgehoben wäre? Ein Schatz will manchmal weiterziehen. Eine Gabe darf dort ankommen, wo sie gebraucht wird, nährt und Freude bereitet.
Der Herbst macht den Blick weiter
Die Luft wird klarer, die Ferne sichtbarer, und plötzlich tauchen Dinge am Horizont auf, die lange im Sommer verborgen lagen. Die Luft wird durchsichtiger, die Farben intensiver. Und vielleicht ist das auch eine Einladung, innerlich weiter zu sehen. Nicht nur ins Helle, sondern auch dorthin, wo es dunkler wird.
Denn jetzt beginnt die Zeit des Loslassens
Was habe ich getragen, obwohl es längst nicht mehr meins ist? Welche alten Geschichten, Erwartungen, Verpflichtungen dürfen endlich aus dem LebensBegleiterBeutel raus? Je weniger Ballast wir mitnehmen, desto leichter wird die Reise durch die dunklere Hälfte des Jahres.
Rückzug und Entschleunigung
Ich muss niemandem mehr beweisen, was ich so drauf hab. Auch mir nicht. Ich darf mich zurückziehen. Mich in wilder Gesellschaft von Weibern suhlen. Alleine losziehen. In der Einsamkeit sein bis zur vollsten Fülle. Meine Flügel unendlich weit ausbreiten. Tun, was mich schon lange bitzelt, ruft und lockt. Mir Dinge gönnen, die ich mir zuvor nicht gönnen wollte. Neues ausprobieren. Kreativ sein. Durch den Wald streifen. Der Nase folgen. Dem inneren Wissen lauschen. Mich vom Wind ablecken lassen bis zur Gänsehaut.
Der Herbst, die grosse nährende Zeit der Fülle und der Ernte. Das Licht geht, die Dunkelheit kommt. Dazwischen dieses magische Leuchten, in dem alles gleichzeitig da ist.
Und vielleicht ist genau das die Einladung des Herbstes
Staunend auf das Gelebte zurückschauen und voller Wunderfitz nach vorne lauschen. Mit beiden Beinen auf der Erde stehen und trotzdem den Himmel berühren. Weniger werden und mehr sein.
Tauche ein in den Herbst. Langsam. Genussvoll und voller Zuversicht, dass das Gute wieder mehr Raum und Aufmerksamkeit bekommt.
Autorin: Annette Roemer
Foto: Peter Indergand
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So füllig und voller Herbstkraft! Danke, liebe Annette!