Die Flussgöttin der Isarauen ist keine, die sich laut in Szene setzt.
Sie trägt kein Krönchen aus Gold, sondern einen Schleier aus Weidenzweigen, die sich sanft ins Wasser neigen. Manche nennen sie die LavendelWeiden, weil in ihrem Duft ein Hauch von violetter Magie liegt – ein Versprechen, dass das Leben mehr kennt als bloß Grün und Grau.
Sie ist die Hüterin der Zwischenräume.
Dort, wo der Kiesel noch hart und schwer scheint
und doch vom Wasser gezeichnet, gerundet, erweicht wird.
Sie spricht in Kieseln, das sind ihre Worte.
Jeder Stein, den sie dir schenkt, ist eine Silbe aus ihrem alten Lied.
Ihr Körper ist der Fluss selbst – mal sprudelnd, mal still.
Ihre Stimme klingt im Gluckern der Stromschnellen,
im Rauschen der Äste, wenn der Wind die Weiden kämmt.
Ich nahm ein Bad in ihrem Reich,
nackt, pur.
Ich zeigte mich ihr, zitternd, jedoch ohne Scham,
mit all meinen gelebten ErinnerungsFalten am Körper.
Und sie, die FlussGöttin,
legte mir ein Geschenk in die Hand:
einen Stein, geformt wie eine Vulva,
wie das Tor ins Leben, das jede und jeder einst durchschritt,
um hier zu sein – es ist die Erinnerung an Ursprung.
Erinnerung daran, dass wir alle Kinder des (Lebens)Flusses sind.
Die IsarKiesel sind mehr als Steine.
Sie sind Gedächtnis.
Sie tragen die Lieder des Wassers,
die Geschichten von Geburt und Vergänglichkeit,
die Weisheit des Loslassens
und sie erinnern – dass Liebe der eigentliche Fluss ist,
der nie versiegt.
Ach schau, da liegt ein HerzStein …
Liebe ist.
Leben.
Danke.
Autorin und Fotos: Susanna Amberger
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