Tierkommunikation – uralt und dennoch aktuell

Tierkommunikation Sonja Mulde - Spinnerinnen

Wenn wir heute das Wort Tierkommunikation hören, klingt es für manche Menschen erst einmal sehr spirituell, dabei beschreibt es im Grunde etwas, das Menschen seit langer Zeit kennen. Die Verbindung zwischen Mensch und Tier begleitet uns, seit wir auf dieser Erde miteinander leben. Lange bevor wir dieser Form der Wahrnehmung einen Namen gegeben haben, beobachteten und lasen Menschen Tiere, orientierten sich an ihnen und standen mit ihnen auf ihre Weise im Austausch.

Schauen wir weit zurück in die Geschichte der Menschheit, begegnen uns Tiere überall, in unserem Zusammenleben ebenso wie in Religionen, Mythen, Sagen und spirituellen Überlieferungen. Da finden wir Odins achtbeiniges Pferd Sleipnir, Anubis mit seinem Schakalkopf im alten Ägypten und Tiere als Verwandte, Begleiter, Krafttiere, Totemtiere oder Spirits in naturverbundenen und besonders in schamanischen Traditionen. Der Austausch mit der Tier- und Naturwelt hat hier seine tiefen Wurzeln und wurde über Generationen weitergegeben. Die Amerikanerin Penelope Smith prägte später in den 1970er-Jahren den Begriff „Interspecies Telepathic Communication“ und gab damit diesem Fühlen und Wahrnehmen einen Namen und irgendwie auch eine Berufsbezeichnung.

Spuren unserer uralten Verbindung zur Tierwelt finden wir bis heute überall um uns herum und besonders im Herbst begegnen sie uns auffallend häufig in unserer Dekoration, wenn Igelfiguren vor unseren Haustüren stehen, Kissen mit Fuchsmotiven unsere Sofas schmücken, Eichhörnchen unsere Servietten zieren, Hirschgeweihe als Kerzen- und Teelichthalter Wärme und Gemütlichkeit verbreiten oder die Eule, die wir so sehr mit dem Herbst und seiner besinnlichen Stimmung verbinden, in unseren Häusern Einzug hält. Ob wir das bewusst tun oder einfach nur schön finden, irgendwie holen wir uns damit auch etwas von der „Igel-, Eichhörnchen- oder Eulenkraft“ ins Haus und umgeben uns mit tierischen Bildern, die uns möglicherweise auf einer tieferen Ebene vertrauter sind, als wir denken.

Wir Menschen sind gewissermaßen mit Tieren groß geworden und bis heute leben sie mitten unter uns, teilen unsere Häuser und unseren Alltag, sitzen auf unseren Sofas, schlafen in unseren Betten, warten am Weidetor und gehören für viele Menschen zur Familie. Allein in Deutschland teilen Millionen Tiere unser Leben, von Katzen und Hunden über Pferde bis zu anderen tierischen Gefährten.

Wer lange mit einem Tier zusammenlebt, kennt dieses Gefühl, plötzlich zu wissen, dass etwas nicht stimmt, obwohl äußerlich kaum etwas zu erkennen ist, beim Blick in die Augen des eigenen Hundes zu ahnen, was er möchte, an der Art, wie die Katze den Raum betritt, ihre Stimmung wahrzunehmen oder beim Pferd schon auf Entfernung zu spüren, dass heute irgendetwas anders ist. Wir nennen es Bauchgefühl oder Intuition. Glückwunsch und Tadaaa, denn genau da sitzt bereits ein Teil unserer telepathischen Zentrale, gemeinsam mit unseren Hellsinnen. Tierkommunikation oder auch feinstoffliche Kommunikation beginnt bei diesem Fühlen und Wahrnehmen eines anderen Lebewesens in seiner Gesamtheit. Etwas, das wir auch zwischen Menschen kennen, wenn wir eine Stimmung wahrnehmen oder spüren, dass mit einem vertrauten Menschen etwas nicht stimmt, ohne erklären zu können, woran wir es festmachen. Das Fühlen selbst ist oftmals erstaunlich leicht, schwieriger wird es meist, wenn wir versuchen, das Gefühlte in Sprache zu übersetzen, weil sich dann unser eigener Schleier aus Gedanken, Erfahrungen, Erwartungen oder Emotionen darüberlegt und die ursprüngliche Wahrnehmung beeinflussen kann. Aber das kann man gut üben und sich bewusst machen.

Tierkommunikation ist ein telepathischer Austausch, der sowohl vor Ort als auch aus der Ferne stattfinden kann. Hierzu richten wir unsere Wahrnehmung bewusst auf ein Tier und öffnen uns für das, was bei uns ankommt, seien es Gefühle, innere Bilder, körperliche Empfindungen, Gedanken oder Worte. Dazu gehört, unserem tierischen Gegenüber ein eigenes Bewusstsein zuzugestehen und es ganzheitlich wahrzunehmen: mit seinem Charakter, seinen Bedürfnissen, seinen Erfahrungen, seinen Grenzen und auf spiritueller Ebene auch mit seiner Seele und seiner ganz eigenen Essenz. Wie wertvoll, wenn wir unsere Tiere so sehen und hören dürfen.

Mögen wir stets unserem Bauchgefühl lauschen und uns dem Austausch mit Tieren hingeben, ganz gleich, wie wir ihn benennen. Mögen wir ihnen von Herz zu Herz begegnen und Mutter Natur darin unterstützen, auf all ihre Wesen zu achten, egal ob Zweibeiner oder Vierbeiner, ob sie Flossen, Krallen oder Flügel tragen. Die Verbundenheit zwischen Mensch und Tier mussten wir nie neu erfinden, sie lebt in uns.

 

Autorin und Foto: Sonja Mulde

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