Männer in der Verantwortung

Ich war seit Jahren auf keiner Demo. Jetzt stehe ich wieder auf der Strasse. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Notwendigkeit. In Konstanz gehe ich mit bei «Männer gegen Gewalt an Frauen». Und ich sehe: Es reicht nicht mehr, nur zu wissen. Es braucht Position.

Die Beteiligung ist überraschend gross, mit einer stillen Kraft und Zuversicht. Mich berührt das. Weil Männer hier nicht schweigen, sondern Verantwortung übernehmen. Weil Frauen ihre Erfahrungen mit Gewalt und patriarchalen Strukturen nicht mehr erklären, sondern anklagen. Weil klar wird: Das hier ist kein moralisches Feigenblatt. Das ist Angriff auf ein System.

Ich erkenne mich darin wieder. Etwa in diesem Reflex: Ich bin nicht so. Ich gehöre nicht zu den Schlechten. Genau da beginnt das Problem. Denn ich profitiere. Von diesem Fundament aus Macht und Privilegien, das ich nicht gebaut habe, aber täglich nutze. Und ich reproduziere es – oft subtil, oft beiläufig. Ich unterbreche. Ich erkläre. Ich nehme Raum ein, der mir nicht gehört. So ist die patriarchale Struktur.

Ich will aufhören, mich rauszureden. Es geht nicht um gute Absichten. Es geht um Konsequenz. Um den Bruch mit Mustern. Um Widerstand im Alltag. Eingreifen, wenn ich Sexismus sehe. Erkennen, wenn ich von Strukturen profitiere. Dagegen angehen.

Diese Demo ist kein Endpunkt. Sie ist ein Auftakt. Veränderung passiert nicht von selbst. Sie wird erzwungen, erkämpft. Durch Haltung, durch Konflikt, durch Handlung. Ich bleibe nicht neutral. Neutralität schützt das Bestehende.

Ich bleibe dran. Nicht als Geste. Sondern als politische Praxis.

Autor und Fotos: Peter Indergand

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Christine

    Ja, es geht um politische Haltung und diesen Feinblick. Wo und wie profitieren wir von einem bestehenden System. Ein „so bin ich nicht“ kann auch zum gemütlichen Zurücklehnen werden und das kenne ich auch. Ich finde es sehr gut und stark, dass du als Mann den Raum dafür öffnest. Gerne mehr davon. Dankeschön 💛