Heilige Quellen und geweihtes Wasser

Heilige Quellen - Manuela Zuber - Spinnerinnen - 피어나네

Seit Jahrtausenden strömen Frauen zu den heiligen Quellen ihres Landes. Heilquellen zählen zu den kraftvollsten und heiligsten Orten. Das Wasser gilt als Träger des Lebenssaftes von Mutter Erde. Es gibt Kraft zur Reinigung und spendet Lebenskraft für Körper, Geist und Seele.

In alten Zeiten war es die Aufgabe von Frauen, diese Heilquellen zu hüten. Opfergaben wurden dargebracht, und es wurde gesungen und gebetet. Das Wasser wurde getrunken, oder es wurden heilige rituelle Waschungen vorgenommen. Auch wurde das Wasser abgefüllt, um es zuhause zum Segnen des Hauses oder als Zusatz für Heilmittel zu benutzen.

Aus diesem alten Kultdenken entspringen auch die Holleteiche. Frau Holle – die große Göttin und personifizierte Mutter Erde des mitteleuropäischen Landes, die viele Namen trägt, wie Hulda, Hertha oder Perchta – gilt als Hüterin der Unterwelt und der noch ungeborenen Seelen. Wenn eine Frau einen Kinderwunsch verspürte, dieser vielleicht bisher auch unerfüllt geblieben war, vertraute sie sich der Göttin Holle an. Dem Glauben nach handelt es sich bei einem Holleteich um den Schoß der großen Mutter, in dem sich die ungeborenen Seelchen aufhalten. Eine Frau mit Kinderwunsch tauchte in diesen See ein. Man glaubte, dass so die ungeborenen Seelen einen leichteren Zugang in die Frau hatten und somit reinkarnieren konnten. Der bekannteste Holleteich in Deutschland befindet sich am Hohen Meißner bei Kassel in Hessen.

Durch Ausbreitung der monotheistischen Religionen und deren brutale Durchsetzung wurde den Frauen unter Androhung gewaltsamer Strafen verboten, ihre heiligen Quellen zu besuchen und dort ihre Rituale abzuhalten. Mit den Jahrhunderten setzte sich die Verdrehung durch, dass das heilige Wasser erst dann „gültig“ geweiht sei, wenn ein geweihter Amtsträger den Segen über das Wasser spricht. Das Wasser wurde in die Kirchenmauern gesperrt und konnte dort von den Sündern abgeholt werden.

Eine bemerkenswerte Verschiebung, wenn man bedenkt, dass die Verehrung von Quellen, Flüssen und Brunnen Jahrtausende älter ist als diese von Männern ausgedachte Ordnung. Aus einer unmittelbaren Beziehung der Frauen zum Quellwasser und zur Mutter Holle wurde eine erlaubnispflichtige Handlung. Leider geriet über die Jahrhunderte in Vergessenheit, wer dieses Wissen über Generationen getragen hat.

Heilige Quellen waren keine abstrakten Orte. Sie wurden von Frauen gehütet, gepflegt, besungen und lebendig gehalten. Denn oft waren es Frauen, die in enger Verbindung mit den Quellen standen, nicht durch externe Weihe von außen, sondern durch gelebte Praxis, durch Erfahrung und durch Lauschen bei den Wasserwesen und Geistern. Aber diese Erinnerung ist nicht verloren, sie war nur lange Zeit sehr leise. Nun sind wir wieder in einer Zeit, in der die Stimmen wieder lauter und kräftiger werden und sich nicht mehr unterdrücken lassen.

Ich erinnere dich, Frau, daran, selbst zu weihen. Es braucht keine Instanz, die dir diese Fähigkeit verleiht. Sei bereit, dich zu erinnern. Pilgere zu einer Naturquelle in den Bergen, an Seen oder in Wäldern. Verbinde dich dort mit den Wasserwesen und Geistern des Ortes. Die Disen und Idisen sind die Hüterinnen der Kräfte des Wassers. Sie sind keine abstrakten Ideen, sondern Ausdruck der lebendigen Natur. Bitte die Wasserwesen um Frieden, Klarheit und Heilung. Danke ihnen. Ein befriedetes Wasser ist unglaublich kraftvoll. Es trägt eine Qualität, die nährt, reinigt und ordnet. Nimm dieses Wasser mit nach Hause. Das ist DEIN Weihwasser.

Erinnere dich, dass das Heilige nie Besitz war, sondern Beziehung und pure Liebe. Niemand steht zwischen dir und deiner Beziehung zum Wasser.

Ermächtige dich selbst!

 

Autorin: Manuela Zuber
Bild: von 피어나네 auf Pixaby

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Christine

    Die Selbstermächtigung ist immer wieder zu betonen. Ich spüre die Schwelle dazu auch immer wieder in mir und so tut mir dein wunder-barer Text sehr gut. Wasser ist sowieso ein besonderes Element.
    Vielen Dank 💛

    1. Manuela

      Lieben Dank für deine Worte, liebe Christine 💚