Die Fichte

Sie schützt und heilt, gibt uns Tee und Honig

Ein Baum, der ganz besonders viel Schutz gibt, ist die Fichte oder Rottanne. Wie kein anderer Baum gehört sie zur Weihnachtszeit. Ihr Harz heilt die Wunden des Baumes und die Wunden der Menschen.

Die Gemeine Fichte, Picea abies, steht mit weit ausgebreiteten Armen da, bei jedem Wetter, in Sturm, Schnee und Regen und hält uns sicher und warm. Schutz ist ihre große Botschaft.
Immer wieder einmal im Leben kommen wir in Situationen, in denen wir uns völlig ohnmächtig fühlen und scheinbar nicht mehr Herr der Lage sind. Hier hilft die Fichte, vor allem direkt bei ihr, indem man sich in ihre Arme schmiegt und tief ihren würzigen Duft einatmet.

Wunderbar heilsam ist der Rauch ihrer Nadeln und ihrem Harz. Und auch ihr „Bart“, die Flechten, die von ihr herabhängen, entfalten ihre Heilkraft beim Räuchern.

Der Tee aus den Nadeln, das Harz, das ätherische Öl und die Triebe Fichten sind durchblutungsfördernd, schleimlösend, beruhigend und entzündungshemmend. Deshalb stillen sie auch hartnäckigen Husten und sind hilfreich bei Bronchitis, Muskelkater, Nervosität und Schlaflosigkeit.

Nicht nur als Tee und Räucherung verteilen die Fichten ihren Segen, sie begleiten durch den Advent und die Weihnachtszeit. Schon in vorchristlichen Zeiten schmückten unsere Vorfahren ihre Behausungen mit immergrünen Pflanzen, um ihrer Hoffnung auf die Wiederauferstehung im Frühling Ausdruck zu verleihen.

Alte Geschichten erzählen, dass immergrüne Pflanzen in der Wohnung die Naturgeister einladen, bei uns zu überwintern. Es wird Zeit, den Trollen und Zwergen ein Bleiberecht einzuräumen. Kränze aus immergrünen Ästen sind Symbol von Anfang und Ende, Duft und Heilung in einem.

🌲 Tänneletee 🌲

Für den „Tänneletee“ vom Winterspaziergang ein paar Tannenästchen mitnehmen und mit kochendem Wasser übergießen, ziehen lassen und genießen. Dies ist der beste Tee für die Weihnachtszeit. Oder einen stärkeren Tee machen, ihn dann in die Badewanne schütten und mit der Tanne ein Bad nehmen.

🌲 Fichtenharz – Harzsalbe 🌲

Das Harz ist das Pflaster der Fichten und auch aller anderen harzbildender Bäume. Bei Verletzungen heilen sie sich selbst damit. Fichtenharz wird nicht umsonst Waldweihrauch genannt oder Pech.

So wie Harze die Wunden der Bäume heilen entfalten sie ihre Heilkraft bei Wunden von Mensch und Tier. Bei Schrunden an geschundenen Händen von Bauern, Holz- und Bauarbeitern und allen, die bei Kälte harte Arbeit verrichten müssen, kommt es als Pechsalbe zu Einsatz und allgemein bei schlecht heilenden Wunden.  Auf die Brust- und Kreuzbeingegend aufgetragen, hilft Harzsalbe vor allem bei seelischen Wunden.

Harzsalbe ist eine hochwirksame Heil- und Zugsalbe, enthält viel Terpentinöl, ist bakterientötend, entzündungshemmend, wundheilend, wärmend und schmerzstillend, auch bei Gelenk- und Gliederschmerzen. Zudem ist es wunderbar zum Räuchern.

🌲 Räuchern mit Fichtenharz 🌲

Seit Urzeiten haben Menschen antibiotisch wirksame Harze und Pflanzen verglimmt, unter anderem um Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Dabei werden wertvolle Harze von unterschiedlichen Sträuchern und Bäumen zum Räuchern verwendet.

Um Harze zu verräuchern, eignet sich am besten eine Räucherkohle oder auch einfach Glut aus dem Ofen. Die Kohle über einer Kerze anzünden und in einem feuerfesten Gefäß, am besten draußen durchglühen lassen. Die Kohle muss weißglühend sein, vorher sollte sie nicht verwendet werden, da es sonst nach Kohle riecht und das Harz zu wenig Hitze bekommt. Das Harz dann auf die glühende Kohle legen und den heilsamen Rauch genießen und die Räume damit räuchern.

Glückliche Besitzer eines Holzherdes können das Harz einfach auf die heiße Herdplatte legen.

🌲 Harzkugeln 🌲

Wer das Glück hat und frisches Harz findet, kann es für Räucherkugeln nehmen.

  • Nimm dafür ein wenig von deiner Räuchermischung und verknete sie mit dem Harz, nur so viel, dass es nicht mehr an den Fingern klebt, sich aber noch zu Kugeln formen lässt.

So kannst du wertvolle Räucherkugeln herstellen, ganz kleine in Pralinenform oder größere für das Sonnwend- oder Silvesterfeuer.

🌲 Harzsalbe selber machen: die Tiroler Pechsalbe 🌲

  • Harz – Fichten oder Lärchenharz oder gemischt in Bio-Sonnenblumenöl auflösen
  • ein bis zwei Meisterwurzen, klein geschnitten dazugeben
  • alles einige Zeit simmern lassen
  •  durch ein Gaze Tuch abfiltrieren
  • noch einmal erwärmen
  • so viel Bienenwachs dazu geben, bis eine salbige Konsistenz entsteht
  • Probe auf einem kleinen Teller machen, wie die Gelierprobe beim Marmelade kochen
  • In saubere Salben Tiegel abfüllen

🌲 Fichtennadel-Tinktur – Waldöl 🌲

  • Fichtennadeln, gemischt mit Wacholdergrün und Wacholderbeeren, in ein Schraubglas mit gutem Schnaps oder Pflanzenöl füllen. Hin und wieder schütteln und mindestens zwei Monate stehen lassen.
  • Dann durch ein Gazetuch abfiltrieren.
  • Mit Öl geht das nur im Sommer, denn ein Ölauszug braucht die Sonne. Diese Tinktur kann äußerlich zu Einreibungen gegen Muskel- und Gelenkschmerzen verwendet werden und innerlich gegen Erkrankungen der Atemwege.

Vorsicht bei Innerlicher Anwendung, diese Tinktur kann die Nieren überfordern. 

🌲 Tannenwipfelhonig 🌲

Ein Rezept für den nächsten Frühling

  • Fichten- oder Föhrentriebe, auch gemischt, sammeln. Bei den eigenen Bäumen oder sehr sorgsam pflücken, ohne das Wachstum der Bäume zu beeinträchtigen.
  • Triebe in einen ausreichend großen Topf geben, knapp mit Wasser bedecken und über Nacht ziehen lassen
  • Am nächsten Tag etwa zwei Stunden vorsichtig köcheln
  • Sobald die ganze Küche nach Wald riecht und die Triebe müde geworden sind, d.h. sie haben ihre Farbe verloren und sehen welk aus, alles durch ein feines Sieb schütten
  • Den Sud in einen Messbecher schütten, abmessen und pro Liter, 1 kg Zucker dazu geben
  • wieder köcheln, bis sich ein dickflüssiger Sirup gebildet hat
  • Noch heiß in kleine Schraubgläser füllen

Eine der besten Seelentrostspeisen ist „Tannowipfelehonig“ mit frischem Zopf.

Autorin: Katharina Waibel
Fotos: Katharina Waibel, Peter Indergand, Annette Roemer

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Christine Kostritza

    Vielen Dank für diese vielen Informationen über die FICHTE. Dein Wissen ist für mich ein spannendes Eintauchen in die Pflanzenwelt. Auch deine Formulierungen, “ mit der Tanne ein Bad nehmen … “ .
    Das ist eine erheiternde Vorstellung – vermutlich für beide. 🛁🌲🌲

  2. PETRA

    herzlichen Dank für das schöne leichte in Worte fassen, für das Wissen Teilen und für die vielen tollen Rezepte und Ideen. Sie ist mir ganz nahe zurzeit, die Fichte, und berührt mich insbesondere mit ihrem heilsamen Harz (Duft). Ich freu mich aufs Entdecken der Nadeln.. 🙂