Der Weißdorn

Mehr als nur eine einfache Heckenpflanze!

„Wenn der Vollmond in die Weißdornblüte fällt, dann ist erster Mai!“. Eine Pflanze, mit unsagbar vielen Mythen und Geschichten.

Der Weißdorn als stachelige Heckenpflanze war schon immer eine wichtige „Zauberpflanze“. Sie schützte Haus und Hof vor Eindringlingen und schlechten Geistern. Der Name Hexe kommt von Hag – die „hagazussa“ ist also eine Heckensitzerin oder Zaunreiterin. Die weisen Frauen kannten sich gut mit allen Naturgeistern in- und ausserhalb des Hages aus.

Der Weißdorn spiegelt auch die Kraft der Erdgöttin – mit weißen Blüten (Reinheit) und später roten Früchten (Fruchtbarkeit). Man vermutet, dass der Weißdorn auch bei vielen alten Märchen die eigentliche Hauptrolle spielte: Dornröschen – denn die Spindeln wurden aus Weißdorn gemacht und auch um Burgen/Schlösser als Hag gepflanzt – nicht die heutige Rose. Genauso kommt die mächtige Hexenpflanze im Märchen Schneeweißchen und Rosenrot vor.

Da der Weißdorn Trimethylamin enthält, duftet er auf seine ganz eigene Weise. Bei Männern wirke dies wie ein Sexuallockstoff. Denk daran, wenn du dir einen Strauß auf den Tisch stellst 😉

Spirituell lehrt uns der Weißdorn, sich mit seinem gegensätzlichen inneren Mann/ seiner inneren Frau zu vereinigen, um inneren Frieden oder Vollständigkeit zu erlangen.

Eine ältere Dame sagte bei einer meiner Kräuterwanderungen: „Weißdornwein ist der Herzensschmeichler! Er macht das Herz froh, damit es für die Liebe schlägt…“ Wie wundervoll! Damit ist auch schon fast alles über diesen Weinauszug gesagt. Insgesamt stellt der Weißdorn volksheilkundlich eine regulierende Eigenschaft auf das Herz dar: Wer nicht genug Elan und Schwung hat, könnte ihn morgens als Tinktur nehmen, wer Einschlafprobleme hat, könnte ihn abends als Weinkur mit Melisse zu sich nehmen (natürlich auf eigenes Risiko, was das Gelingen angeht…).

Der mächtige Zauberbaum steht für Leben und Tod. Bei einer Geburt oder bei einem Todesfall wurden seine Zweige an die Haustüre gehängt. Ebenso in der Walpurgisnacht. Eine Wiege für das Frischgeborene wurde gerne aus dem harten Weißdorn gebaut. Man kann sagen, dass er das Haus vor allen bösen Geistern beschützt.

Früher bei uns (und in Irland noch heute) glaubte man, die Feen lebten im Weißdorn. Man band Stoff-Fetzen an die Äste und beschwor sie mit einem innigen guten Wunsch. Die Feen wurden durch das bunte Treiben milde gestimmt und vielleicht ging sogar ein Wunsch in Erfüllung.

Ansonsten hat man genügend Respekt vor dem Weißdorn: Wer ihn fällt, wird sich und der folgenden Generation viel Unheil aufbürden…

Text und Foto: Karin Himmelreich-Rades

Dir gefällt was wir machen… dann bring uns ins Netz. Danke

Facebook
WhatsApp
Email
Pinterest
Twitter
LinkedIn
Telegram

Schreibe einen Kommentar


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Christine Kostritza

    Hallo Karin, wie leichtfüssig du diesen kraftvollen Weißdorn-Pfad beschreibst und uns auf die Hecke setzt.
    So schön und und verwoben mit vielen Ritualen. Bislang dachte ich, dass diese von dir beschriebene Eigenschaften nur für den Holunder gelten, jetzt sehe ich auch den Weißdorn mit anderen Augen.
    Pfiffige Hagazussa-Grüsse Christine K.