Das Zyklusrad

Das Zyklusrad – vier archetypische Phasen - Dagmar Steigenberger

Das Zyklusrad – vier archetypische Phasen

Das zyklische Wesen ist in meinen Augen der Kern weiblicher Weisheit, weil wir es seit jeher in uns tragen, dieses Werden und Vergehen und wieder Werden. Allmonatlich gehen wir durch diesen Zyklus, unseren Menstruationszyklus. Loslassen, Verletzbarkeit, Bluten, Wachsen, Fruchtbarkeit … Diesen Archetypen begegnen wir in jedem zyklischen Geschehen wieder, sei es in den Jahreszeiten oder in den Lebenszyklen.

Kind, Mutter, weise Alte: Die dreifache Göttin beschreibt den Lebenszyklus, aber mir hat da noch eine Frau gefehlt, wollte ich die Lebenszyklen in das Rad der vier Zyklusphasen integrieren. Im Winter wurde mir dann bewusst, wer die vierte Frau war: die weiße Percht, die für Tod, Geburt und im Fall des weiblichen Zyklus eben für die Menstruation steht. Sie wird wohl gerne vergessen … und sie hat es in unserer Gesellschaft nicht leicht. Immer ist diese eine letzte Phase des Zyklus unerwünscht und wird ausgemerzt oder ignoriert, so gut es eben geht: die Nacht, der Winter, der Tod oder auch die Menstruation. Aber die weiße Frau ist kein Störfaktor, keine Schwachstelle im Zyklus, sondern eine Notwendigkeit. Eine weise Lehrerin. Zeigt sie uns doch, wie essenziell die Phasen von Stillstand, von Ruhe und Erholung sind, um anschließend immer wieder aufs Neue schöpferisch tätig zu werden.

Menstruation: Innerer Winter, Ruhe und Erneuerung

Tag 1 bis 5
Für mich ist das nicht – wie in vielen Zykluskalendern – die schwarze Frau, die Alte Weise, sondern die weiße Frau: ähnlich der Percht im Winter, wenn unter der Schneedecke neben dem Abgestorbenen schon die Keimlinge für neues Leben ruhen. Eine geweihte Übergangszeit, in der Frauen in indigenen Kulturen in einer Mondhütte verwöhnt werden. Mit Beginn der Blutung sind die Geschlechtshormone allesamt auf Tiefststand, die Entzündungswerte hingegen schnellen nach oben. Während sich die alte Gebärmutterschleimhaut ablöst und Platz für die neue macht, brauchst du Ruhe und solltest Pausen im Alltag einplanen. Mit eisenreicher Nahrung wie Rote Bete oder Brennnessel unterstützt du deinen Körper in dieser Phase.

Follikelphase: Innerer Frühling, Lust auf Neues

Tag 5 bis 14
In den Eierstöcken wachsen nun zunächst mehrere und schließlich nur noch ein Follikel mit einer Eizelle heran, während sich die Gebärmutterschleimhaut wieder aufbaut und verdickt. Mit dem Anstieg des Östrogenspiegels erfährst du in dieser Phase einen Schub an Energie und Selbstvertrauen. Haut und Haare werden schöner. Deine Lust auf Neues und deine Libido steigen an; die beste Zeit zum Ideensammeln, Pläneschmieden, aber auch für sportliche Betätigung und für Dates!

Eisprung: Innerer Sommer, im Zenith der Kraft

Tag 14 bis 15
Mit den Hormonen Östrogen und LH erreicht zum Eisprung auch deine Vitalität ihren zyklischen Höhepunkt. Logisch, denn die Natur hat es so eingerichtet, dass du während der besten Empfängnis-Zeit auch am attraktivsten wirkst. Deine sozialen Fähigkeiten in Sachen Kommunikation und Kontaktknüpfen sind jetzt besonders ausgeprägt. Du sprühst vor Lebensfreude, und zwar mit Haut und Haar; deine Kraft sieht man dir auch körperlich deutlich an. Für alle sportlichen Aktivitäten ist jetzt die beste Zeit, denn rund um den Eisprung baut der Körper am schnellsten Muskelmasse auf.

Lutealphase: Innerer Herbst, Rückzug und Verarbeitung

Tag 16 bis 29
Die weise Alte darf sich nun zurückziehen, um den vergangenen Zyklus zu resümieren. Für diese Innenschau braucht sie Zeit und Raum. Östrogen, das Hormon, das unsere Weiblichkeit strahlen lässt, nimmt ab: In der Natur ist Verführungskunst nun nicht mehr gefragt; die fruchtbare Phase ist ja vorbei. Es geht vielmehr um innere Werte wie Klarheit und Organisationstalent. Der steigende Progesteronspiegel sorgt zunächst für Gelassenheit und Entspannung. Kurz vor der Menstruation fällt er ab: eine Ursache für prämenstruelle Symptome wie Gereiztheit, bedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit. Trotz oder gerade wegen des möglichen Heißhungers auf Süßes ist es jetzt wichtig, dich gesund zu ernähren.

Autorin, Illustration und Foto: Dagmar Steigenberger

Literaturtipp: Zu dem Motiv von Zyklusrad und Frauenkreis hat mich das Buch „Wild Power“ von  Sjanie Hugo Wurlitzer und Alexandra Pope inspiriert. Sie beschreiben mit den „Inner Seasons“, den „inneren Jahreszeiten“ die Phasen des Menstruationszyklus.

Und hier gibt’s noch viel mehr von und über Dagmar 

 

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Das liebevoll von Hand gemalte Motiv der Jahreskreis Karte symbolisiert die zyklische Kraft der Natur, mit der wir Frauen auf ganz besondere Weise verbunden sind.

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