Es war, als würde ich von ihr träumen.
Oder von ihr erträumt werden.
Die KnochenFrau trat aus dem Rauch der Nachrichten.
Schlagzeilen tropften wie Lava vom Himmel.
Worte brannten.
Grenzen flackerten.
Die Welt war laut.
Und als die Welt laut wurde, rief die Tiefe.
Aus dem Dunkel hinter meinen Augen
hob sie den Kopf.
Eine Seelenführerin der alten Wege.
Sie kam nicht aus einem Land.
Sie kam aus einer Zeit.
Aus einer Zeit,
als Steppe und Alpen
kein Gegensatz waren.
Als Wege offen waren.
Als Menschen zogen.
Als Geschichten wanderten
wie Herden im Wind.
Sie trug Ocker auf der Haut,
weil Ocker Erde ist.
Und Erde Erinnerung.
Ihr Haar war Staub.
Ihr Mund war Gesang.
Kein Schrei.
Kein Ruf nach Kampf.
Ein uraltes Lied.
Auf ihrem Haupt saß der SchwarzeVogel.
Er kannte die Richtung
zwischen Leben und Tod.
Zwischen Gestern und Morgen.
Zwischen Atem und Stille.
Sie gehörte keiner Nation.
Keinem Banner.
Keinem späteren Streit.
Sie stammte aus einer Zeit,
als Kontinente noch
keine Identitätspolitik kannten.
Als Zugehörigkeit Bewegung war.
Nicht Abgrenzung.
Während draußen Krieg,
Polarisierung,
DauerErregung
und Identitätsschlachten
wie Wellen über die Oberfläche liefen,
entstand sie.
Formte sie sich
durch mich.
Wenn alles in Lager zerfällt,
erscheint das Bild von etwas,
das vor den Lagern existierte.
Und in mir verstand ich:
In Krisenzeiten ruft die Seele
nach Kontinuität.
Nach Tiefe.
Nach Erdung.
Nach etwas,
das nicht täglich neu bewertet wird.
Darum hören wir sie.
Wir weben.
Frieden
ins Netz des Weltgeschehens.
Leise.
Faden für Faden.
Wir singen mit ihr
das Lied der SeelenErinnerung.
Für das,
was älter ist als der Streit.
Und während die Welt brannte,
war da unter der Asche
ein Atem.
Und dieser Atem
war ihr Lied.
Autorin und Kunststück: Susanna Amberger
Und hier gibt’s noch mehr von und über Susanna aka Süsü
