Warum bluten wir Frauen eigentlich und machen es nicht wie die anderen Säugetiere, deren Körper die Gebärmutterschleimhaut einfach in ihrem Inneren abbauen? Und warum dauert unser Menstruationszyklus genau so lange wie ein Mondphasenzyklus? Ist das nicht eigentlich Sache der Meeresan- und -bewohner, sich im Takt des Mondes und der Gezeiten fortzupflanzen? Scheinbar nicht ...
Wusstest du, dass gerade mal 1,5 Prozent der Säugetierarten einen Menstruationszyklus haben? Neben Primaten (zu denen auch wir Menschen gehören) scheiden nur Fledermäuse und einige Mäusearten ihre Gebärmutterschleimhaut regelmäßig mit einer Blutung aus. Alle anderen haben einen Brunstzyklus, bei dem die Gebärmutterschleimhaut einfach im Inneren des Körpers abgebaut wird. Beim Brunstzyklus ist der Eisprung auch nicht an die Mondphasen gekoppelt, sondern an die Jahreszeiten oder an die Hormonsignale des Partners.
Nimmt man alle Lebewesen der Erde, sind wir allerding längst nicht allein mit unserer Verbindung zwischen Fruchtbarkeit und Mond. Sehr viele Wesen, die im und am Meer leben, nutzen den Mond als eine Art Datingplaner, um sich bestmöglich fortpflanzen zu können. Da sind zum Beispiel die Korallen am Great Barrier Reef, die Roten Krabben auf den Weihnachtsinseln oder der Palolo-Wurm im Südpazifik, die alle an einem speziellen Vollmond im Jahreslauf laichen.
Amerikanerinnen bluten zu Vollmond, Chinesinnen zu Neumond
Bei einigen Primaten dauert der Menstruationszyklus nur 19 Tage, bei Fledermäusen 33 Tage und bei Schimpansen sogar ganze 37 Tage. Nur Orang-Utans und die Stachelmäuse haben einen ähnlich langen Menstruationszyklus wie wir Menschen, und zwar ziemlich exakt 29,5 Tage – so lang wie ein Mondphasenzyklus.
Warum das so ist? Leider ist dieses Thema noch zu wenig erforscht. Die Chronobiologin Charlotte Förster von der Universität Würzburg hat immerhin herausgefunden, dass die Kopplung der menschlichen Menstruation an den Mond immer im Januar am stärksten ist. Wobei es regionale Unterschiede gibt: Europäische Frauen menstruieren meistens zwischen zunehmendem Halb- und Vollmond, nordamerikanische Frauen bevorzugen für die Menstruation den Vollmond. In China hingegen ist es umgekehrt: Dort bekommen die Frauen ihre Blutung eher rund um Neumond.
Warum der Mond die Blutung taktet
Aber warum bluten wir denn nun im Rhythmus der Mondphasen, obwohl wir keine Meerjungfrauen sind? Weil der Mond die Körpersäfte anzieht? Warum tut er das dann nur bei uns Menschen, bei Orang Utans und Stachelmäusen – und bei den anderen nicht? Wahrscheinlich hatte es irgendeinen evolutionsbiologischen Vorteil, vermutet Chronobiologin Förster, dass unsere Fruchtbarkeit an die Mondphasen gekoppelt wurde.
Vielleicht, weil wir einst rund um Vollmond mit anderen Dingen beschäftigt waren als mit dem Beischlaf … zum Beispiel mit Großwildjagden, wofür man das Mondlicht gut ausnutzen konnte. Rund um Neumond blieben unsere frühen Vorfahren besser beieinander in der Sippschaft, weil die wilden Tiere im Dunkel der Nacht ihnen haushoch überlegen waren, was Sinneswahrnehmung und Körperkraft anbelangte. Die Chancen, dass eine Eizelle befruchtet wurde, standen dann natürlich sehr viel besser. Warum es bei den Chinesinnen umgekehrt ist? Hm …
Weg von den natürlichen Rhythmen?
Heute verbringen wir die Nächte nicht mehr daheim beim Kuscheln, nur weil Neumond ist. Und auch sonst halten wir uns viel weniger an die natürlichen Rhythmen von Tag und Nacht, von Sommer und Winter. Das künstliche Licht hat den Mondeinfluss zurückgedrängt. Mit dem Ergebnis, dass Frauen vor allem dort seltener im Mondrhythmus menstruieren, wo die Lichtverschmutzung am stärksten ist: in den Großstädten.
Autorin und Foto: Dagmar Steigenberger
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