Der Admiral flattert zu mir und wir geniessen gemeinsam den weiten Blick über die alte Streuobstwiese in der Abendsonne. Dort wimmelts und schwirrts von Schmetterlingen und Insekten. Es riecht nach Fallobst, ich erinnere mich an eine alte Geschichte und meine Gedanken flattern zu den Jenischen.
Fahrende mit verschieden leuchtend bunten Wagen tauchen auf, keine Bemalung, kein Geklimper, kein Blumenschmuck, kein Samt. Die Wagen sind überzogen von hunderten, nein tausenden von bunten Schmetterlingen, wie ein flatternder, lebendig glitzernder Teppich. Ein galaktisches Schauspiel, das die Menschen staunen und wundern lässt.
Früher wurden Festwägen und auch Gedenk- und Opferstätten mit vergorenem Obst, verwesendem Aas und pressfrischem Mist bestrichen, weil dadurch Schmetterlinge, Falter und andere Insekten angelockt wurden.
Wo es nach Fäulnis und Aas roch, zeigte sich Leben in den schillerndsten Farben. Gepimpte Opferstätten sozusagen.
Schmetterlinge ernähren sich nicht nur von Blütennektar. Manche Arten lieben den Salz- und Mineralstoffgehalt von vergangenem Leben oder vergorenen Früchten.
In manchen Kulturen standen die Schmetterlinge für Seelen der Verstorbenen, die man so zum Fest einlud. Oder für Wandlung und Erneuerung. Der Tod nährt das Schöne, der Verfall gebiert Leichtigkeit.
Die Natur hält uns vor Augen, dass schillernd schönes Leben sich eben nicht nur im Reinen und Klaren wohlfühlt und nährt. Leben entsteht auch aus Fäulnis, Gestank und Zerfall.
Und genau daraus kann etwas Leichtes, Flatterndes und Neues entstehen.
Alles ist Wandel.
Autorin und Fotos: Annette Roemer
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